Willkommen im Hundeblog

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  • Eckard Wulfmeyer

Mit viel Liebe und Geduld ... auf sich rumtrampeln lassen.


Agnes aus der Region Oldenburg kam zu mir. Wir lernten uns kennen bei einer Tasse Kaffee und sie berichtete mir von einer typischen Vorgeschichte, mit der die Menschen zu mir kommen. Bereits einige Hundeschulen vor Ort besucht, nicht weiter gekommen, der Hund rempelt sie an, schubst sie um, springt gegen Türen, wenn sie die Wohnung verlässt, zieht an ihrem Mantelärmel, bis sie die Jacke ausgezogen hat und der Hund sie zerfetzen kann oder sie hingefallen ist, verprügelt andere Hunde und so weiter. Um zu verstehen, warum Ihr Hund, ein zweijähriger Jagdhund Mix, so ist, wie er ist, bat ich sie, mir zu berichten, was sie bislang versucht hat, ihm entgegenzusetzen. Was hat man ihr geraten in der regionalen Hundeschule, wenn sie von ihrem Hund attackiert wird? Sie soll ihn anschauen, erzählte sie mir, “Schade” sagen und sich wegdrehen. Das hat die Frau nicht falsch verstanden, ich habe in der Hundeschule deswegen nachgehakt. Nur was versteht der Hund darunter? Ich (Hund) kann Menschen herumschubsen, wie ich will, kann sie drangsalieren und terrorisieren, und die Menschen haben dem nichts entgegen zu setzen. Ich kann machen, was ich will und der Mensch bedankt sich noch dafür. Egal wie Scheiße ich mich benehme, ich habe keinerlei Konsequenzen zu bedenken. In einer anderen Hundeschule hat man ihr geraten, dieses nicht gewünschte Verhalten des Hundes zu ignorieren. Dabei sag doch jedem erwachsenen Menschen alleine schon die Lebenserfahrung, dass ignorieren indirekte Zustimmung für ein Verhalten ist. Wir müssen in unserer Gesellschaft heutzutage in Zeitungen Anzeigen aufgeben, die dazu aufrufen, mehr Zivilcourage zu zeigen. Die auffordern, selbstverständliches zu tun: hinzusehen, wenn jemand überfallen, verprügelt, beraubt wird, statt wegzusehen und zu ignorieren. Und dann wird einem in einer Hundeschule genau dazu geraten: zu ignorieren. Unfassbar für mich immer wieder, wenn ich erwachsene Menschen sehe, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich dann herumschubsen lassen, wie eine Daunenfeder. Doch es ist wohl passend zu unserem derzeitigen Weg zu einer Konsensgesellschaft: die systematische Demontage von Autorität, Persönlichkeit und Charakter passt zu einem Zeitgeist, der Experten und Eliten verachtet, die nicht zur selbstverfassten Meinung passen. Niemand darf herausgefordert, angestrengt oder kränkend benotet werden. Eine ernsthafte Bewertung traut sich keiner mehr zu. Verantwortung wird nicht mehr übernommen. Es wird sich weggeduckt.

Und dann kommen die Menschen wie Agnes mit oder ohne Hund zu mir. Sie müssen sich anstrengen. Und sie bemerken, dass Anstrengung sich gut anfühlen kann. Sie müssen Verantwortung übernehmen. Und sie entdecken, wie viel Kraft einem diese Verantwortung geben kann. Sie müssen sich durchsetzen, und sie spüren, wie gut es sich anfühlt, Respekt und Achtung zu erfahren. Sie müssen das Verhalten Ihres Hundes bewerten. Und sie entdecken, wie sehr es Ihnen hilft, sich und ihren Hund in der Gesellschaft einzuordnen. Und das alles nur durch eine Veränderung der Denkweise.

Eine solche Veränderung der Denkweise hat auch die Agnes mit meiner Hilfe vorgenommen. Wir haben uns einmal die Woche getroffen, und nach drei Wochen war die Agnes verblüfft, wie sehr sich das Verhalten Ihres Hundes verändert hat. Sie berichtete mir eine Woche später davon, dass sich in ihrem Arbeitsumfeld das ein oder andere zum Positiven verbessert habe.

Wie habe ich das mit Agnes erreicht? Ich habe ihre Denkweise verändert. Ich habe ihre Denkweise insofern verändert, dass sie anfing, dass Ihr Hund nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens steht. Denn aufgrund seines Verhaltens drehte sich ab einem gewissen Zeitpunkt alles nur noch um ihn. Schon bevor sie zu Hause ankam und noch immer, wenn sie schon eine Zeitlang von zu Hause weg war. Vor Ort selbst sowieso. Der Hund muss noch raus, der Hund muss noch Fressen, der Hund will in den Garten, der Hund will spielen, der Hund soll es gut haben. Und dies hat ihn natürlich noch zusätzlich darin bestärkt, der Ansicht zu sein, dass er der Nabel der Welt sei. Denn alles was sie tat, jeder Handlung, jeder Gedanke, hatte immer auch mit ihrem Hund zu tun. Und diese Art zu denken habe ich in eine neue Bahn gelenkt. Ich habe ihr gezeigt, dass sie auch an sich denken darf, und deswegen kein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Hund haben muss.

Agnes selbst hatte nicht erkannt, wie sich ihre Art und Weise zu denken in Zusammenhang mit ihrem Hund verändert hat. Das war wie so vieles ein schleichender Prozess. Nachdem sie von mir damit konfrontiert wurde wurde es ihr bewußt. Der erste Schritt zur Veränderung des eigenen Denkens. Unterstützt hab ich sie dabei, in dem ich im Umgang mit dem Hund und anderen Menschen einen Spiegel vorhielt und dadurch, das ich zunächst in ihrer Vorstellungskraft neue Bilder erzeugte. Beides bewirkte, das sich ihre Denkweise veränderte und damit ihr auftreten, ihre Wirkung nach außen. Sie übernahm Verantwortung für sich und das Leben ihres Hundes, die bislang ihr Hund alleine getragen hatte, und spürte die Kraft, die ihr dieses Engagement gab.

Nach einer weiteren Woche berichtete die Agnes mir, dass Ihr Hund auf einmal anfangen würde, sich an sie zu kuscheln. Z.b. abends, wenn sie auf dem Sofa sitzt, fing er an, sich zu ihr zulegen und seinen Kopf auf ihre Füße zu legen. Dies hatte er noch nie zuvor getan. Genausowenig, wie er nie zuvor auf das Sofa gesprungen sei, um ihre Nähe zu suchen. Dies war für Agnes eine ganz neue Erfahrung, so berichtete sie mir. Eine Erfahrung, wie sie viele Menschen im Zusammenhang mit ihrem Hund machen, wenn sie Verantwortung für das eigene Leben und das Leben ihres Hundes übernehmen.

Nach insgesamt sechs Wochen gemeinsamer Arbeit war die Agnes ein Mensch geworden, der wieder selbstbewusst durchs Leben ging und artikulierte, was sie wollte. Gegenüber ihrem Hund, genauso wie gegenüber ihrem Umfeld. Sie konnte mit ihrem Hund nun ohne Leine die Spaziergänge erledigen. Und eines Tages fiel ihr auf einmal erst unterwegs auf, dass sie die Leine für Ihren Hund komplett vergessen hatte. Egal, so sagte sie sich, eine solche Runde können wir auch ohne Leine laufen.

Nach vier Monaten bekam ich ein Bild von ihr zugeschickt. Darauf waren sie zusammen zu sehen, an ihrem Arbeitsplatz, in einem Hotel. Sie konnte ihn mitnehmen zur Arbeit, weil er die ganze Zeit ruhig in seinem Körbchen lag, wären sie arbeitete, egal was um sie herum passierte. Ein wunderbares Bild. Mehr dazu: https://www.pfoten-pfad.de/das-buch-zum-pfad