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  • Eckard Wulfmeyer

Hilfe und Hilfe

Vor langer Zeit lernte ich Lena mit ihrem Hund Anna kennen. Ein schwarzer Mischlingshund. Sie kam im Alter von ungefähr einem Jahr zu Lena, denn sie war zuvor eine Art Wanderpokal, sie wurde durch verschiedene Familien weitergereicht. Natürlich hatte dieses weiterreichen Gründe. Diese Gründe waren die überzogene Ängstlichkeit und Schreckhaftigkeit von Anna. Anna hatte vor vielen verschiedenen Dingen Ängstlichkeit, genauer gesagt eine überzogene Unsicherheit, keine Angst, und Schreckhaftigkeit in bestimmten Situationen. Eine dieser Situationen war z.b. die Angst vor Männern. In einem Haushalt, in dem auch Männer leben, ist das eine eher schlechte Ausgangssituation. Und so begann Lena schon früh mit ihrer Anna daran zu arbeiten. Man kann eigentlich sagen, sie begann sofort damit, als die Anna bei ihr war. Leider nicht Nachhaltig. Nun kam jedoch die Mutter von Lena ins Spiel. Die Mutter meinte es nur gut, und sie war sicherlich auch eine Person, die gerne erzählte. Und jetzt hatte sie etwas zu erzählen. Und so erzählte sie eben auch von ihrer Tochter und dem neuen Hund in der Familie. Und sie erzählte allen Menschen, ob sie es nun hören wollten oder nicht, von der Angst der Anna vor Männern. Dies hörte dann auch ein Mann in dem Ort, der selber einen kleinen Hund hatte. Er konnte sich gut in Lena hineinversetzen, meinte er. Sein eigener Hund sei schließlich auch kein einfacher Hund. Er hätte vor vielen anderen Hunden Angst. Und auch vor Postboten. Manchmal auch Polizisten. Dies äußerte sich bei seinem kleinen Hund, ein etwas zu groß geratener Yorkshire Terrier Mix, dadurch, dass er immer versuchen würde, sie lautstark in die Füße zu Zwacken. Das mag niemand. Aber es ist eben auch ein Terrier. Und guck doch mal wie der guckt, so süß. Und wie der sich immer an der Leine gebärdet. Auf den Hinterbeinen stehend. Aber schön ist diese Ängstlichkeit des Hundes nicht, meinte der Mann, und wollte der Lena helfen, dass ihr nicht das gleiche Schicksal widerfährt mit einem ängstlichen Hund an der Seite. Deswegen sagte dieser Mann zu der Lena, als sie sich dann etwas später mal in einer kleinen Straße im Ort trafen: “mit meiner Hilfe bekommen wir das schon wieder hin.” Lena sagte ihm dazu: “sehr gerne, aber eigentlich sehe ich keine Notwendigkeit und ich fühle mich auch nicht verpflichtet, das anzunehmen.” Doch das hörte der Mann schon nicht mehr. Er hörte schon bewusst weg, hatte ein Leckerli in der Hand und drückte es der Anna ins Maul. Würde man hier den Kontext nicht kennen, könnte man schon fast denken, wir haben es mit jemanden zu tun, der Giftköder verteilt. Nun begab es sich für die Zukunft so, dass die Lena diesen Mann immer wieder während der Gänge durch den Ort begegnete. Und er immer wieder darauf hinwies, dass sie es mit seiner Hilfe schaffen würden, dass Anna in Zukunft keine Angst mehr vor Männern hätte. Es half auch nicht, dass die Lena ihm erklärte, dass Anna gar keine Angst mehr vor Männern hatte. Das hatten wir zwischenzeitlich auf den Pfoten-Pfad geklärt. Die Ursache für das Verhalten von Anna gegenüber Männern war hier nur die Vorstellung, dass Anna mit Männern Probleme hätte. Als Lena klar wurde, dass das nur in ihrer Vorstellung stattfindet, diese Angst vor Männern, war die Ursache gefunden, behoben und die Symptome ebenso weg. Doch der Mann ließ nicht locker. Und so traf er eines Tages wieder die Lena, und wieder wollte er, dass die Anna keine Angst mehr vor Männern hat, und wieder wollte er ihr ohne Erlaubnis Futter reichen. Ja, es handelt sich wohl um dieses uralte Spiel, dass man das Vertrauen eines Hundes über Futter erkaufen könne. Heute, in der modernen Verhaltenspsychologie, wissen wir es besser, wir wissen, dass es auf wesentlich mehr ankommt, als darum, nur Futter zu reichen, um das Vertrauen seines Gegenübers zu bekommen. Und wieder sagte die Lena zu dem Mann, dass er das gerne anbieten könne, sie sich aber noch immer nicht verpflichtet fühle, diese Hilfe anzunehmen. “Dann nicht!”, war diesmal die Antwort des Mannes. Und es war eine unheimliche ehrliche Antwort. Im ersten Moment hatte Lena gar nicht verstanden, wie eindeutig ehrlich diese Antwort war. Sie beinhaltete: wenn du meine Hilfe nicht befolgst, und ich dann nicht der Held sein kann, gebe ich dir auch keine Hilfe. Es ging also nicht mehr darum, ein selbstloses und ehrliches Angebot abzugeben, sondern es ging darum, dass der Mann sich selbst profilieren konnte. Dass er in Zukunft durch den kleinen Ort, in dem sie beide lebten, gehen konnte und jeden, ob er es hören wollte oder nicht, erzählen konnte, wie toll er doch Lena und Anna geholfen hätte. Was für ein toller Hecht er doch sei. Was für ein toller Hundeflüsterer. Wie gut er mit Hunden umgehen könnte. All das hat er vermutlich schon andere über sich sagen gehört. Und insgeheim erhofft er sich vermutlich auch, dass dann in Zukunft noch viele weitere Menschen mit ihrem Hund zu ihm kommen würden, denen er dann auch mit seinen zweifelhaften Tipps und Vorschlägen in Zukunft helfen könnte, um weiterhin im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen zu können. Wirkliche Hilfe wird einem gar nicht so häufig zuteil. Denn wirklich zu helfen hat auch etwas selbstloses. Wann sage ich was? Wann halte ich meine Klappe? Was sage ich vielleicht nicht wirklich, um helfen zu können, sondern was sage ich, nur um selbst besser dazustehen? Und dieser Grad ist ein sehr schmaler Grat. Man kann sehr schnell nach links oder rechts runterfallen. Sehr schmal ist der Grat innerhalb einer Beziehung. Nicht nur in einer zwischenmenschlichen Beziehung, sondern auch in der Beziehung zu seinem Hund. Das konnte ich in den letzten Jahrzehnten bei meiner alltäglichen Arbeit immer wieder beobachten. Es ist eine Art andauerndes: “kann ich dir helfen?”. Eine solche Frage ist so manches Mal nur ein Ausdruck dessen, was der Mensch an dem anderen, in diesem Falle, an seinem Hund, nicht erträgt. Dass sich jetzt etwas verändern soll in dem Verhalten. Und das es nach außen hin unangenehm empfunden wird, wenn sich der Hund so verhält, wie er es tut. In vielen Hundeschulen, die ich im Laufe der letzten Jahre besucht habe um dort beim Unterricht vorbei zu schauen, um zu verstehen, was dort gelehrt wird, habe ich sehr häufig gesehen, dass in verschiedenen Situationen, in denen z.b. Hunde frei liefen, ihnen viel zu oft und viel zu schnell geholfen wurde, anstatt dem Hund einfach Zeit zu geben, es selbst rauszufinden, wie der effektivste Weg des Verhaltens ist. Und das ist viel viel mehr wert, als jede Hilfestellung eines Menschen. Auch hier gibt es natürlich wieder diesen schmalen Grat. Der schmale Grat dessen, zu sehen und zu erfassen, wann der Hund tatsächlich Hilfe braucht, Schutz braucht, vor den anderen Hunden, und wann es besser ist, selbst herauszufinden, was richtig ist. Wir alle brauchen mal Hilfe. Und wir brauchen dann jemanden, der uns wirklich helfen will, um des Helfens Willen, und nicht, um selbst gut dazustehen. Und wir können dies lernen, z.b. mit dem Partner, Freundin oder mit unserem Hund. Denn der Hund spiegelt uns quasi in Echtzeit. Er gibt uns sofort eine Rückmeldung, was er davon hält, was wir gerade tun. Denn er kennt die Höflichkeit nicht. Seine Reaktionen sind echt. Und wir können lernen, so zu kommunizieren, das klar wird, wann wir eine Hilfe wünschen, eine Lösung hören wollen, und wann nicht. Ungefragte Hilfe dürfen wir uns öfter mal verkneifen. Und blöde Besserwisserei, nerviges Dauer-Tipps geben und dieses planlose, in der Gegend herum versuchen: “hast du schon mal das oder dies versucht”, hört man besonders oft in Hundeschulen, die nur nach Konditionierungsformen arbeiten, macht den Hilfesuchenden nicht wirklich sicherer und nur ganz ganz selten glücklich. Eine Hilfe ist nur eine Hilfe wenn sie hilft.


Eckard Wulfmeyer, Mentalcoach für Hundehalter

www.pfoten-pfad.de